Die Ausbildung zur Lektorin habe ich in Hildesheim im St. Michaelis-Kloster gemacht. Man kann die Ausbildung über zehn Wochenenden absolvieren oder – so wie ich – in einem Kompaktkurs. Dafür bin ich im September und im November zu zwei Unterrichtsblöcken gefahren, die jeweils von Mittwochnachmittag bis Sonntagmittag gingen. Das war inhaltlich sehr kompakt und intensiv, aber neben dem Berufsalltag gut zu schaffen.
Inhaltlich ging es um verschiedene Themen, zum Beispiel um die Struktur des Gottesdienstes, das Erarbeiten und Erproben von gottesdienstlichen Elementen, Kriterien für die Liederauswahl, liturgisches Singen und liturgische Präsenz, Zugängen zu Bibeltexten, um kirchenrechtliche Rahmenbedingungen des Dienstes und um die Aneignung von Lesepredigten.
Lektor*innen sind nicht autorisiert eigene Predigten zu gestalten, da dafür der theologische Hintergrund fehlt. Wir können uns jedoch vorhandene, sogenannte Lesepredigten aneignen. Das bedeutet, wir behalten den Kern der Predigt bei, geben ihn aber mit eigenen Worten wieder.
Im ersten Unterrichtsblock hatten wir als Hausaufgabe bekommen, uns aus fünf vorgegebenen Lesepredigten eine herauszusuchen, sie uns anzueignen und sie im nächsten Unterrichtsblock im November vor der Gruppe zu halten.
Es gab dann im Anschluss an die gehaltene Predigt ein offenes und ehrliches Feedback der Gruppe und der Dozentin: War der Inhalt verständlich? Wurde gut genug betont? Wie waren Körperhaltung, Sprechweise und Dauer der Predigt? Das war eine sehr intensive Erfahrung und das konstruktive Feedback war sehr hilfreich.
Auch wenn eine Lesepredigt bereits von Theolog*innen fertiggestellt ist, dauert es trotzdem noch eine ganze Zeit, bis man sie sich angeeignet hat. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Text, die mir auch persönlich viel bringt und mich in meinem Glauben stärkt.
Mir ist dabei wichtig, dass die Menschen, die im Gottesdienst sitzen, den Predigttext verstehen und aus der Auslegung etwas für ihr eigenes Leben mitnehmen können. Ich möchte in einer einfachen Sprache predigen, möglichst ohne theologische Floskeln, damit der Inhalt auch ankommt.
Ein Herzensanliegen ist für mich auch die Auswahl der Lieder. Es sollen Lieder sein, die den Menschen etwas bedeuten können, die ihnen beim Singen Freude bereiten. Mit einer Predigt erreicht man nicht immer alle Gottesdienstbesucher*innen, aber vielleicht kann ein Lied im Herz landen oder als Ohrwurm mit nach Hause gehen.