Interview mit Susanne Schenk

Nachricht 16. August 2026

Einleitung

Vielleicht ist sie dem einen oder der anderen in den vergangenen Wochen und Monaten schon im Gottesdienst in neuer Rolle begegnet: Susanne Schenk ist seit Kurzem als Lektorin in unserer Andreasgemeinde aktiv.

Im Juli 2026 habe ich mich mit ihr getroffen und mit ihr darüber gesprochen, wie es dazu kam, dass sie Lektorin werden wollte, wie die Ausbildung ablief und wie sie diese Zeit erlebt hat.

Susanne Schenk - Unsere neue Lektorin in der Andreasgemeinde. Das Interview führte Majbritt Möller

Liebe Susanne, warum hast du dich entschieden, die Lektor*innen Ausbildung zu machen?

Ich bin mit Gottesdienstbesuchen groß geworden. Der Gottesdienst ist in meinem christlichen Leben ein wichtiges Element. Gottesdienst bedeutet für mich Zeit der Ruhe und der Besinnung, Kraftquelle, und er ist für mich ein Ort der Begegnung mit Gott und mit Mitchrist*innen. Wenn Lektor*innen zu Gast waren, habe ich oft gedacht: „Dieses Ehrenamt könnte ich mir auch gut vorstellen“.

Das Schöne an der Lektor*innen Arbeit ist, dass der jeweilige Gottesdienst immer eine Art kleines Projekt ist. Es gibt einen bestimmten Termin, ich habe Zeit mich darauf vorzubereiten, und dann ist es auch wieder abgeschlossen. Das ist anders als ein Ehrenamt, bei dem ich jede Woche unterwegs wäre. Ich kann mir die Anzahl der Gottesdienste nach eigenem Ermessen einteilen, schauen wie der Bedarf ist und wie es sich gut in mein Leben integrieren lässt.

Als ich Pastor Steinke von meiner Idee erzählt habe, dass ich mir gut vorstellen könnte, Lektorin zu werden, hat er mich in diesem Gedanken sehr bestärkt. Er ist mein Mentor und hat mich während meiner Ausbildung gut unterstützt. Die Gottesdienste, die ich zwischenzeitlich schon gehalten habe, haben wir im Vorfeld gemeinsam besprochen und anschließend gemeinsam reflektiert.

Wie lief die Ausbildung inhaltlich ab und was ist dir bei deinen Gottesdiensten besonders wichtig?

Die Ausbildung zur Lektorin habe ich in Hildesheim im St. Michaelis-Kloster gemacht. Man kann die Ausbildung über zehn Wochenenden absolvieren oder – so wie ich – in einem Kompaktkurs. Dafür bin ich im September und im November zu zwei Unterrichtsblöcken gefahren, die jeweils von Mittwochnachmittag bis Sonntagmittag gingen. Das war inhaltlich sehr kompakt und intensiv, aber neben dem Berufsalltag gut zu schaffen.

Inhaltlich ging es um verschiedene Themen, zum Beispiel um die Struktur des Gottesdienstes, das Erarbeiten und Erproben von gottesdienstlichen Elementen, Kriterien für die Liederauswahl, liturgisches Singen und liturgische Präsenz, Zugängen zu Bibeltexten, um kirchenrechtliche Rahmenbedingungen des Dienstes und um die Aneignung von Lesepredigten.

Lektor*innen sind nicht autorisiert eigene Predigten zu gestalten, da dafür der theologische Hintergrund fehlt. Wir können uns jedoch vorhandene, sogenannte Lesepredigten aneignen. Das bedeutet, wir behalten den Kern der Predigt bei, geben ihn aber mit eigenen Worten wieder.

Im ersten Unterrichtsblock hatten wir als Hausaufgabe bekommen, uns aus fünf vorgegebenen Lesepredigten eine herauszusuchen, sie uns anzueignen und sie im nächsten Unterrichtsblock im November vor der Gruppe zu halten.

Es gab dann im Anschluss an die gehaltene Predigt ein offenes und ehrliches Feedback der Gruppe und der Dozentin: War der Inhalt verständlich? Wurde gut genug betont? Wie waren Körperhaltung, Sprechweise und Dauer der Predigt? Das war eine sehr intensive Erfahrung und das konstruktive Feedback war sehr hilfreich.

Auch wenn eine Lesepredigt bereits von Theolog*innen fertiggestellt ist, dauert es trotzdem noch eine ganze Zeit, bis man sie sich angeeignet hat. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Text, die mir auch persönlich viel bringt und mich in meinem Glauben stärkt.

Mir ist dabei wichtig, dass die Menschen, die im Gottesdienst sitzen, den Predigttext verstehen und aus der Auslegung etwas für ihr eigenes Leben mitnehmen können. Ich möchte in einer einfachen Sprache predigen, möglichst ohne theologische Floskeln, damit der Inhalt auch ankommt.

Ein Herzensanliegen ist für mich auch die Auswahl der Lieder.  Es sollen Lieder sein, die den Menschen etwas bedeuten können, die ihnen beim Singen Freude bereiten. Mit einer Predigt erreicht man nicht immer alle Gottesdienstbesucher*innen, aber vielleicht kann ein Lied im Herz landen oder als Ohrwurm mit nach Hause gehen.

Was hat dich während deiner Ausbildung überrascht oder beeindruckt?

Mich hat es sehr beeindruckt, wie schnell wir 21 Teilnehmer*innen des Kurses trotz aller Verschiedenheit innerhalb kürzester Zeit zu einer sehr vertrauten Gruppe geworden sind. Wir haben intensiv miteinander gearbeitet, wir haben diskutiert, uns gegenseitig Feedback gegeben, wir konnten sehr offen miteinander umgehen und wir haben uns selbst und die anderen von vielen verschiedenen Seiten kennengelernt.

Von einem sehr eindrücklichen und spirituellen Moment während der Ausbildung möchte ich gerne erzählen. Wir hatten das Thema Fürbittengebet, und die Dozenten haben uns in Zweiergruppen eingeteilt und uns folgende Aufgabe gegeben: Wir sollten miteinander spazieren gehen, und meine Partnerin sollte mir etwas erzählen, das sie momentan beschäftigt oder bedrückt. Danach sollten wir gemeinsam dafür beten. Anschließend wurden die Rollen getauscht, und ich habe ihr etwas erzählt, und auch dafür wurde wieder gebetet.

Das war ein so unfassbar schöner spiritueller Moment, dass uns beiden dabei die Tränen kamen. Als wir uns später als gesamte Gruppe wieder zusammengefunden hatten, wurde deutlich, dass es den anderen genauso ergangen war.

Genau das wollten uns die Dozenten spüren lassen: Ihr betet in den Fürbitten für das, was die Menschen bewegt, die vor euch sitzen.

Gibt es ein Bibelwort, das dich momentan oder im Hinblick auf die Ausbildung besonders begleitet?

„Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Eine einfache, aber uralte biblische Aussage. Jede Lebensphase hat etwas für sich und macht bestimmte Dinge möglich. Ich hätte die Lektor*innen Ausbildung theoretisch auch schon vor zehn Jahren in Angriff nehmen können, aber jetzt ist die passende Zeit. Jetzt habe ich den Kopf dafür frei, habe Lust darauf und bin mit aller Aufmerksamkeit dabei.

Worauf freust du dich jetzt, wenn du deinen Dienst beginnst?

Ich freue mich jetzt erst einmal sehr auf meine Einsegnung im November. Es ist mir eine große Ehre, dass Superintendent Dr. Joachim Jeska sie übernimmt. Und dann freue ich mich natürlich auf meine eigenen Gottesdienste. Darauf, dass ich immer freier werde, und die Gottesdienste noch kreativer gestalten kann – zum Beispiel als Dialoggottesdienste oder mit einem Anspiel. Gerne möchte ich regelmäßig andere Menschen mit einbeziehen.

Liebe Susanne, ich danke Dir ganz herzlich für das schöne Gespräch und die Einblicke in deinen Weg zur Lektorin. Ich freue mich auf viele weitere Gottesdienste mit dir und bin gespannt, wie du sie mit der Zeit gestalten und welche eigenen Ideen du einbringen wirst.

Ich wünsche dir dabei ganz viel Freude und Gottes Segen!

Majbritt Möller

  • Einführungsgottesdienst am 08. November um 10.00 Uhr in der Arche.