Am Montag, dem 4. Mai, machten sich rund 30 Gemeindeglieder der Andreas- und der Paul-Gerhardt-Gemeinde auf den Weg ins Theater Osnabrück. Dort sahen wir – zusammen mit vielen weiteren Theaterbesuchern – das Stück „Alfons – jetzt noch deutscherer“.
Alfons, ein Franzose, der seit mehr als 34 Jahren in Deutschland lebt, erzählte von seiner Einbürgerung und blickte dabei weit in seine Familiengeschichte zurück. Mit viel Humor und Witz schilderte er alltägliche Situationen und die kleinen, oft so treffenden Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen. Das Publikum amüsierte sich, lachte herzlich – und ließ sich gerne mitnehmen.
Und dann kam ein Moment, der relativ unerwartet alles veränderte.
Ohne große Ankündigung wurde es still. Ernst. Bewegend.
Als Alfons von seinem Urgroßvater und seiner geliebten Grand-Mère erzählte, die beide in Auschwitz waren, brauchte es nicht viele Worte. Die beinahe leere Bühne, das eindringliche Klavierspiel – all das ging unter die Haut.
Doch Alfons ließ uns nicht in dieser Schwere und Traurigkeit zurück.
Mit leuchtenden Augen und viel Liebe erzählte er weiter – von seinem Leben und immer wieder von seiner Grand-Mère, die Auschwitz überlebt hatte und die ihn in seinem Leben so sehr geprägt hat.
Besonders eindrücklich war für mich, ihr Bild von der Taschenlampe: Als sie sich viele Jahre nach dem Krieg mit einem Deutschen anfreundete und dies in ihrem Umfeld erst einmal auf völliges Unverständnis stieß, erzählte sie Alfons von der Taschenlampe, die jeder Mensch bei sich trägt. Und jeder entscheidet selbst, worauf er ihr Licht richtet. Auf das, was Angst macht, auf Probleme und das Negative? Oder bewusst auf das Gute, auf Menschlichkeit, auf Hoffnung?
Seine Grand-Mère hatte sich entschieden.
Und genau das hat auch diesen Abend geprägt.
Für mich war es ein beeindruckendes Wechselspiel aus Leichtigkeit und Tiefe, aus Lachen und Nachdenklichkeit. Ein Abend, der gezeigt hat, wie nah sich Freude und Schmerz sein können. Weil das Leben eben nicht immer nur lustig und beschwingt ist, aber auch eben nicht immer nur düster und traurig.
Es war eindringlich und mahnend, aber nicht belehrend, nicht mit erhobenem Zeigefinger – sondern ehrlich und doch mit einer klaren Botschaft!
Und ich merke: Ich bin daraus nicht einfach „fertig“ nach Hause gegangen.
Da ist viel, was nachklingt. Viel, was mich bewegt – und auch ein Stück ratlos zurücklässt.
Und gleichzeitig gibt es da etwas, das nicht zur Diskussion steht:
Es darf sich nicht wiederholen!
Darauf gibt es kein Vielleicht, kein Verharmlosen. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung. Wir sind gefragt, nicht nur im Großen, sondern auch in unserem Alltag, wachsam zu bleiben und dort nicht zu schweigen, wo Menschen ausgegrenzt oder angefeindet werden – im Kleinen wie im Großen.
Lasst uns unsere Taschenlampen bewusst(er) einsetzen und auf Mitgefühl und Menschlichkeit, auf die kleinen, aber so wichtigen Details leuchten.
Wir tragen Verantwortung – für das, worauf wir unseren Blick richten, aber auch für das, was wir zulassen oder eben nicht. Für unser Schweigen genauso wie für unser Handeln.
Vielleicht verändert das nicht sofort die ganze Welt.
Aber es verändert, wie wir die Welt sehen – und wie wir in ihr handeln.
Und genau darin liegt die Chance, dass sich Geschichte nicht wiederholt.
Majbritt Möller