Ev.- luth. Andreasgemeinde Wallenhorst
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Andacht

Auferstehung in Krisenzeiten

Zehn Menschen haben sich für zehn Tagein einer Villa versammelt, die unweit der großen Stadt Florenz auf einem der sie umgebenden Hügeln errichtet wurde. Freiwillig sind sie nicht dort. Sie sind vor der Pest geflohen, die im Jahre 1348 Florenz heimsuchte. Das ist die Ausgangslage für Giovanni Boccaccios berühmter Novellensammlung „Il Decamerone“ – das Dekameron. Um sich die Zeit zu vertreiben, bestimmen sie an jedem Tag einen Tagesregenten, der einen Themenkreis vorgibt, zu dem alle Anwesenden je eine Geschichte erfinden müssen. So entstehen zehn mal zehn Erzählungen, die – wie es sich für das Mittelalter gehört – vom prallen Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten handeln.

Nun könnte man meinen, das alles ist ja schon lange her. Aber weit gefehlt. Das Corona-Virus hat uns alle – zumindest im Moment, da dieser Text entsteht – fest im Griff. Die Konfirmandenfreizeit musste abgesagt werden, Fußballspiele finden ohne Publikum statt. Das öffentliche Leben kommt so nach und nach zum Erliegen. Das alles sind Auswirkungen, die nicht schön, aber durchaus zu bewältigen sind.

Was mich wirklich nachdenklich macht, sind die Anzeichen von Panik und Kontrollverlust in der Bevölkerung. Aus Krankenhäusern werden Desinfektionsmittel gestohlen, Hamsterkäufe werden getätigt und im Fernsehen gibt es Berichte über Menschen, die aufgrund einer vorsorglichen Quarantäne 14 Tage zu Hause verbringen müssen und deswegen kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehen.

Hier zeigt sich, wie weit wir uns in unserer Entwicklung anscheinend von den normalen Vorgängen des Lebens entfernt haben. In unserer hochmodernen, digitalen Welt schien es ja fast so, als ob wir kurz vor dem Durchbruch zum ewigen Leben stünden. Dabei gehört nach wie vor der Tod zum Alltag dazu, sei es durch Alter, Unfall oder Krankheit. Aber wir haben den Gedanken daran erfolgreich verdrängt. Aber nun macht sich Corona breit – und alle vergessenen und vorgeblich überwundenen Ängste und Befürchtungen kommen wieder zum Vorschein.

 

 

In wenigen Wochen feiern wir mit Karfreitag und Ostern die höchsten kirchlichen Feste im Christentum. In diesen drei Tagen ist die ganze Spannung menschlichen Lebens enthalten. Christen, wenn sie denn ihren Glauben ernst nehmen, haben schon immer in dem Bewusstsein gelebt, dass das Leben eine schreckliche, schmerzvolle Wendung nehmen kann, die unsere Planungen über den Haufen wirft, weil wir eben nicht vollständig die Herren über unser Schicksal sind. Und gleichzeitig wird durch die Erinnerung an die Auferstehung deutlich, dass wir uns vertrauensvoll dem Leben zuwenden dürfen, trotz aller Schicksalsschläge die über uns hereinbrechen können. Denn nicht der Tod hat das letzte Wort.

Zudem bedeutet der Glaube an die Auferstehung nicht, dass wir erst bis zum Tod warten müssen. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen vom Reich Gottes spricht, das jetzt schon unter uns ist, dann können wir jetzt schon die Folgen der Auferstehung spüren. In dem wir in Krisenzeiten eben nicht mit Panik und egoistischen Handlungen reagieren, sondern mit Besonnenheit, Mitmenschlichkeit und Mitgefühl. Übrigens nicht nur im Angesichts eines Virus, sondern auch des Flüchtlingselends auf der ganzen Welt.

Vielleicht nehmen wir ja so eine Krise auch zum Anlass, endlich einmal darüber nachzudenken, was denn wirklich der Urgrund für die meisten Übel dieser Welt ist.: die willkürliche Trennung aller Menschen dieser Erde in Rassen und Nationalitäten, in Habende und Besitzlose, in Satte und Hungernde. So einem Virus ist nur durch weltweite Anstrengungen und Zusammenarbeit beizukommen – den anderen genannten Problemen auch.

Das wäre doch einmal wirklich Auferstehung im Alltag – wenn durch etwas Bedrohlichem wie dem Corona-Virus der nachbarliche, aber auch der weltweite Zusammenhalt der Menschen gestärkt würde. Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne: Frohe und gesegnete Ostern!

 

 

Ihr Udo ferle, Diakon

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