Ev.- luth. Andreasgemeinde Wallenhorst
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Steine auf dem Lebensweg

„Auf jedem deiner Wege wirst du Steine finden. Du kannst sie umgehen, überspringen oder darüber stolpern. Du kannst aus ihnen aber auch Stufen bauen, Stufen, die dich weitertragen.“ (Verfasser unbekannt)

 

Für mich sind Steine etwas ganz Besonderes. Nicht um daraus etwas zu bauen. Ich sehe sie mir einfach gerne an. Ich fühle sie gern. Mich fasziniert an den Steinen die Vielfalt. Und dass man nicht hineinsehen kann. Auf der Insel Rügen gibt es lange breite Strände, die nur aus Steinen bestehen. An einem solchen Strand bin ich gern stundenlang. Ich suche zwischen diesen Steinen nach besonderen. Am liebsten nach Hühnergöttern und Donnerkeilen. Hühnergötter halten nach einer alten Sage das Böse fern. Sie sehen auf den ersten Blick recht gewöhnlich aus, sind es aber nicht. Es sind Feuersteine mit einem Loch. Auch wenn man es nicht immer sofort sieht - es ist da. Jeder Stein trägt ein Rätsel in sich. Wie sieht er wohl von innen aus, was verbirgt er? Man muss sich Zeit nehmen, sich darin vertiefen. Das ist bei den Steinen genauso wie bei uns Menschen. Man darf nicht einfach nach dem Äußeren urteilen. Es gibt viele Edelsteine, die sich erst auf den zweiten Blick zeigen. Jeder von uns ist etwas Besonderes. In sich hat jeder von uns seinen Edelstein. Das kann ein besonderes Talent sein, ein gutes Herz, Freundlichkeit, Geduld, Fairness. Man muss nur mal in sich oder in andere hineinschauen, dann entdeckt man schnell, was jeden Einzelnen so besonders macht und funkeln lässt.

Wir haben Sommer. Viele denken sofort an Urlaub, Ferien, Partys usw. Für manche bedeutet es aber auch, dass Veränderungen bevorstehen. Die Grundschule, der Schulabschluss oder die Ausbildung ist geschafft, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Das klingt sehr aufregend. Das ist es auch! Jeder hat andere Vorstellungen davon, was als Nächstes kommen wird und wie es werden soll. Einiges wird anders laufen, als geglaubt. Es kommen Stellen, an denen wird es besser klappen, als es vorher gedacht war - an anderen Stellen wird sich manch einer mehr abmühen müssen als geplant. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen mal etwas schief geht, in denen man das Gefühl bekommt, es würden Steine im Wege liegen.

 

 

 

 

Manchmal tauchen die Steine einfach so auf, manchmal werden sie einem von anderen vor die Füße geworfen und lassen dann stolpern. Das geht jedem so und es gehört zum Leben dazu. Manchmal ist man im Nachhinein froh, dass man durch einen solchen Stein zu einer Richtungsänderung kam. Niemand sollte sich von Stolpersteinen davon abbringen lassen, den eigenen Weg zu gehen. Und niemand sollte den eigenen Weg gar als geringwertiger als andere ansehen. Es ist egal, ob der Weg, den man wählt, für die anderen genauso gut erscheint, wie man ihn selbst empfindet. Es zählt nicht nur der äußere Schein. Es ist nicht entscheidend, zu welcher Schulform man z. B. nach der vierten Klasse geht. Die Leistung allein macht aus niemandem einen Edelstein oder bewundernswerten Menschen. Entscheidend sind die inneren Werte, die jeder von uns in sich trägt.

 

Wer das nächste Mal einen Stein in der Hand hält, denkt dann vielleicht über meine Worte nach. Und sieht seine Mitmenschen möglicherweise sogar mit anderen Augen. Ganz besonders schön wäre es, wenn wir es schafften, anderen durch kleine Gesten oder große Taten den einen oder anderen Stein aus dem Weg zu räumen, bevor das Stolpern beginnt. Fangen Sie doch am besten gleich heute damit an!

Katrin Fuhrmann

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