Ev.- luth. Andreasgemeinde Wallenhorst
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Das Wort zum Monat

Mal ehrlich! - Fastenaktion 2019

 

 

 

Für mich ist es eine der spannendsten Szenen in der Bibel: Jesus, alleine gelassen von seinen Freunden, steht Pontius Pilatus gegenüber, der über ihn richten muss. "So bist du dennoch ein König?" lautete die abschließende Frage des römischen Statthalters. Und Jesus antwortet in seiner typisch hintergründigen, eindeutig zweideutigen Art: "Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme." Daraufhin die trockene Replik des Pilatus "Was ist Wahrheit?"

Leider wird allzu schnell Wahrheit in dem Sinne gebraucht, den man am besten mit "nicht lügen" umschreiben würde. Aber ist Wahrheit wirklich einfach nur der Gegensatz zur Lüge? Der Geschäftsführer der Fastenaktion "Sieben Wochen ohne", Arnd Brummer, hat dafür ein passendes Beispiel: "Wir hatten ja vor nicht allzu langer Zeit den Holocaust-Gedenktag. Ich habe dann gesagt, die Notlügen, die den einen oder

die andere davor gerettet haben, im KZ massakriert und ermordet zu werden, waren Wahrhaftigkeit und das ganze System der Nazis war die große Lüge. Und wenn man einer großen Lüge mit einer Notlüge begegnet, dann ist diese Notlüge wahrhaftiger, als die verlogene Mörderarchitektur."

 

Arnd Brummer ersetzt dabei den Begriff der Wahrheit durch "Wahrhaftigkeit". Vielleicht noch ein wenig anschaulicher hat der Liedermacher Reinhard Mey das in seinem Lied "Zeugnistag" ausgedrückt. Aus der Ich-Perspektive erzählt Mey von einem Zeugnis, das so schlecht war, dass es noch nicht einmal in Religion zu einer vier gereicht hat.

 

 

stumm und geknickt. Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück. Voll Selbstgerechtigkeit genoss er schon die Maulschellen für den Betrüger, das missrat'ne Stück. Diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn. Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran das ist tatsächlich meine Unterschrift". Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug. Gekritzelt zwar, doch müsse man versteh'n, dass sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug. Dann sagte sie: „Komm, Junge, lass uns geh'n"

In der Fastenaktion der evangelischen Kirchen, die den Titel trägt "Mal ehrlich", geht es also um weit mehr als nur um '"Wahrheit oder Lüge". Wir sind eingeladen, über unsere "Wahrhaftigkeit" nachzudenken, über das, was uns trägt, was unser Bezugsrahmen in unserer immer komplizierter werdenden Welt ist. Und vielleicht kann jede und jeder, der/die sich in den sieben Wochen auf dieses spannende Thema einlässt, am Ende eine eigene

 Natürlich schämt er sich dafür, den Eltern mit diesen Zensuren unter die Augen zu treten. Also fälscht er schnell die Unterschrift und gibt das Zeugnis wieder ab. Und dann passiert folgendes:

"Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus. Die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt. Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus. So stand ich da, allein,

 

Antwort auf die Frage s des Pilatus geben "Was ist Wahrheit"?

Ich selbst würde im Moment mit dem bekannten Theologen Paul Tillich antworten: " Gott ist die Wahrheit. Wir können sie nicht besitzen, wir können nur bitten und beten, ihr möglichst nahe zu kommen."

Aber vielleicht denke ich noch ein wenig darüber nach - ich habe ja sieben WochenZeit dafür.

Ich wünsche Ihnen wahrhaftig eine gesegnete Passionszeit!

 

 

 

Udo Ferle
Diakon der Andreasgemeinde

 

 

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