Ev.- luth. Andreasgemeinde Wallenhorst
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Besinnung

Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)

 

IEnde Januar war das Thema eines ökumenischen Gesprächsabends die Ankunft der Flüchtlinge und Vertriebenen in Rulle nach dem 2. Weltkrieg. Hubert Schawe erzählte aus seinen Erinnerungen: Die Ruller Bevölke-
Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)
rung umfasste damals knapp 2.000 Menschen. Alles Bauern. Alles Katholiken. Satt zu essen hatten sie. Ja. Aber sonst waren sie arm. Die etwa 700 Flüchtlinge, zumeist aus dem schlesischen Frankenstein, oft evangelisch, hatten nur das, was sie auf dem Leib trugen. In jedem Haus wurde deshalb ein Zimmer beschlagnahmt, um die Neuankömmlinge unterzubringen. Drei bis sechs Menschen hausten dann in einem Zimmer. Manchmal mehr. Und dann musste erst mal gesammelt werden: Becher oder Teller z. B. „Bei armen Menschen bekommt man manchmal mehr, als bei reichen“, war eine der Erfahrungen. Aber da war auch die krachende Ablehnung der Evangelischen durch die Alteingesessenen. „Die kommen keinesfalls in den Himmel!“ Die Wende brachten die Kinder. Die spielten zusammen und merkten als erste: die Neuen sind ja doch ganz nett. Und irgendwie freier. Und klüger. Und die eine oder andere verbotene Liebschaft stellte sich auch ein... Erste Schritte hin zu Integration und zum Aufbau eines neuen Zuhauses.
Manche der Teilnehmer des Treffens trugen ihre eigenen Erlebnisse ein. Nur zu gut war spürbar, dass menschlicher Friede immer temporär und brüchig ist. Seit fast 74 Jahren ist Frieden in unserem Land. Für die meisten von uns Spätgeborenen ist das eine Welt, die wir – Gott sei Dank – nicht anders kennen.

Aber schauen wir uns um: Die Nachrichten quellen über von ständig neuen oder alten Konfliktfeldern, die auch nach Jahren nicht beigelegt sind. Und wir erleben auf der persönlichen Ebene spannungsgeladene Situationen: in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde. Wo Menschen zusammenkommen, entstehen Konfliktfelder.
Das Jahr 2019 steht unter dem Bibelwort „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15). Ich habe mich über die Wahl gefreut. Es ist eine Aufforderung an alle Christinnen und Christen und ein Mahnwort an ganz Europa. Suchet den Frieden! Wer vor fast 3.000 Jahren diese Worte geschrieben hat, der wusste: Frieden ist nicht etwas, das sich einfach einstellt, wenn der Krieg vorbei ist. Frieden braucht Energie, Mut, Überzeugung. Frieden braucht Leidenschaft. Frieden ist kein Traumbild, sondern eine konkrete Handlungsoption. Es gibt viele Verben für das Kämpfen in unserer Sprache, aber kein Verb für den Frieden.
Frieden machen, Frieden gestalten, das kann heißen: Einander besser kennen lernen, im kleinen Freundeskreis und in der Begegnung der Nationen. Frieden kann heißen, einander zu verstehen, auch wenn Unterschiede bestehen bleiben. Frieden heißt, aushalten, dass wir verschieden sind und uns dennoch in Liebe begegnen. Frieden heißt Vergeben, ohne eine Gegenleistung. Als Kind hießen Verben Tu-Worte. Wir brauchen Wörter des Tuns, des Handelns für den Frieden. Action for peace!
Friede meint nach biblischem Verständnis weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg. Friede, Schalom, meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt. Schalom ist die Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung:  „Doch ist ja Gottes Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Land Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue“ (Psalm 85,10-12).
Ich wünsche Ihnen ein friedvolles Jahr!
Ihr Pastor Friedemann Keller

 

Freiräume

„Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tag sollst du ruhen; auch in der Zeit des Pflügens und Erntens sollst du ruhen“ (2. Mose 34,21)

2019 schafft die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers „Zeit für Freiräume“. Ein Jahr für Aufbrüche und Fragen, für Unterbrechungen, Besinnung und vielleicht auch für Neubeginn. Die Welt verändert sich rasant. Was bedeutet das für uns persönlich und für die kirchliche Arbeit? Was wollen wir tun, was lassen, was verändern? Woraus schöpfen wir unsere Kraft? Was gibt uns Hoffnung in schwierigen Zeiten?
Es lohnt, darüber nachzudenken, sich Zeit zu nehmen, Zeit zu schaffen – Zeit für Freiräume.  

AB

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