Ev.- luth. Andreasgemeinde Wallenhorst
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Besinnung

Der Glaube an die Höflichkeit

 

 

Sieben Wochen ohne Lügen, mal ehrlich sein. Die bisherige Passionszeit hindurch begegnet mir dieser Hinweis immer wieder, liebe Leserin, lieber Leser.
Die Wahrheit sagen, bedeutet das immer eindeutig sein, ungeschminkt? Oder zerbricht die Menschlichkeit an so viel radikaler Wucht? „Bist Du der König der Juden?“, fragt Pilatus Jesus. „Du sagst es … Ich bin gekommen, die Wahrheit zu bezeugen.“, bekommt er zur Antwort (Johannes 18,33+37). Für diese Wahrheit geht Jesus ans Kreuz. Freiwillig.
Manchmal geht es sicher nicht anders, als so eindeutig zu sein. Und Dank der Stärke Jesu, haben wir die Hoffnung der Auferstehung gewonnen. Die Macht der Angst und des Todes sind gebrochen.
Aber muss das auch in den kleinen Kämpfen des Alltags sein? Oder macht man da mehr kaputt, als man gewinnt? Ich habe dazu folgenden Brief von Susanne Niemeyer gefunden:

 

.Liebe Höflichkeit, sei ehrlich: Ehrlichkeit ist nicht deine Stärke. Du willst nicht authentisch sein. Über dein „wahres Ich“ denkst du nicht nach. Du nimmst dir nicht die Freiheit, jemanden zu mögen oder nicht zu mögen, und ob dir eine Begegnung etwas bringt, ist keine Frage für dich. Du bist selbstlos. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Du berechnest nicht und rechnest dich nicht. Du dienst. Ziemlich altmodisch. Wahrscheinlich wurde dir schon oft geraten, mehr auf dich zu achten. Gefühle zu zeigen. Jemanden abzuweisen. Aber das tust du nicht. Du behandelst alle gleich. Du wünschst jedem einen Guten Morgen und sagst „angenehm“ auch dann, wenn dir der vorgestellte Herr Kunzelmann gar nicht angenehm erscheint.

 

Das liebe ich an dir. Deinen Großmut. Du baust ein Gerüst, das stabil bleibt, auch wenn Sympathie und Frieden, Geduld und Verständnis wanken. Du erinnerst daran, dass jeder ein Mensch ist. Und darin, vielleicht nur darin, sind alle gleich. Du hältst auch einem Betrüger die Tür auf. Einem Heiratsschwindler wünschst du Gesundheit, und selbst deine Antwort auf den übelsten Hetzbrief beginnst du mit „Sehr geehrte“. Du hältst Maß, wo ich mich nicht mehr mäßigen kann. Du gibst meinen Inhalten eine Form. Dabei redest du mir meinen Zorn nicht aus. Du leihst ihm nur deinen Mantel.
Ich ahne, dass du manchmal aufgeben willst. Dass du dich fremd und unerwünscht fühlst. Dass du dich in schlaflosen Nächten fragst, ob jene nicht doch Recht haben, die behaupten, du seist überflüssig, ein Relikt vergangener Zeit. Lass dir das nicht einreden. Ich glaube an dich. Wir brauchen dich, wenn wir uns nicht zerfleischen wollen. 


Halt durch!


Deine S.
Höflich zu sein und zu bleiben ist also ein Akt der Liebe. Jesus ist bei aller Radikaliät, mit der er die Wahrheit der Botschaft Gottes vertreten hat, nie verletzend geworden. Er ist eindeutig geblieben, ohne sich über andere zu erheben. Die Macht der Liebe zeigt sich bei ihm auch darin, wie er mit anderen spricht  − selbst im Angesicht seiner bevorstehenden Verurteilung zum Tode durch Pontius Pilatus.


Wie gelingt es Ihnen, Höflichkeit und Wahrheit in Einklang zu bringen − ganz ehrlich?


Ich wünsche Ihnen dazu eine

gesegnete Passions- und Osterzeit


Ihr Pastor Friedemann Keller

 

Freiräume

„Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tag sollst du ruhen; auch in der Zeit des Pflügens und Erntens sollst du ruhen“ (2. Mose 34,21)

2019 schafft die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers „Zeit für Freiräume“. Ein Jahr für Aufbrüche und Fragen, für Unterbrechungen, Besinnung und vielleicht auch für Neubeginn. Die Welt verändert sich rasant. Was bedeutet das für uns persönlich und für die kirchliche Arbeit? Was wollen wir tun, was lassen, was verändern? Woraus schöpfen wir unsere Kraft? Was gibt uns Hoffnung in schwierigen Zeiten?
Es lohnt, darüber nachzudenken, sich Zeit zu nehmen, Zeit zu schaffen – Zeit für Freiräume.  

AB

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