Ev.- luth. Andreasgemeinde Wallenhorst
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40 Jahre Kleiderkammer

40 Jahre Kleiderkammer
Gespräch mit Hilma Fischer

Hilma Fischer hatte zum Tee eingeladen. In gemütlicher Atmosphäre sprechen wir über dies und das und vor allem über die Kleiderkammer. Denn die feiert in diesem Jahr Jubiläum. 40 Jahre, eine lange Zeit, in der einiges passiert ist. Hilma hat in all den Jahren viel Material gesammelt – Presseartikel, Reden, Gratulationen und vor allem Fotos. Vor acht Jahren hat sie ihr ehrenamtliches Engagement in jüngere Hände gelegt. In einem NOZ-Bericht darüber lese ich: „Abschied von der Mutter Teresa der Kleiderkammer“. Das trifft es auf den Punkt, war doch ihr Handeln stets von tiefer christlicher Nächstenliebe geprägt. Ich frage sie nach den Anfängen der Kleiderkammer. Und dann erzählt sie, wie alles begonnen hat damals vor 40 Jahren:

„Durch meinen Beruf als Gemeindeschwester lernte ich Menschen kennen, denen es am Notwendigsten fehlte. Es war mir ein Herzensanliegen, ihnen neben meiner pflegerischen Tätigkeit zu helfen. Ich sammelte Babysachen, Wäsche und einfache Haushaltsartikel, die ich an die bedürftigen Familien weiterreichte. 1978 wurde im „Notizzettel“ (heute Andreas Aktuell) ein Spendenaufruf abgesetzt. Danach trafen zahlreiche Kleider- und Sachspenden ein. Später kamen Haushaltsartikel und Möbel hinzu. Alles fand dankbare Abnehmer. Von den Geldspenden kaufte ich Lebensmittel, für Kranke auch Nachtwäsche und Pflegemittel. Manchmal kamen „Brüder von der Straße“, wie wir die Wohnungslosen nannten, zu dem damaligen Pastor Hüttmann und baten um Hilfe. Ich habe ihnen in meiner Wohnung am Nachtigallenweg gegenüber der Andreaskirche zu essen gegeben, sie auch baden lassen, wenn sie das wollten, und neu eingekleidet. Für die Lagerung der gespendeten Kleidung stand mir ein Zimmer zur Verfügung. Als der Vermieter für diesen Raum Eigenbedarf anmeldete, wurde im Untergeschoss des Gemeindehauses ein kleiner Raum für die Kleidung freigemacht. Danach waren wir einige Zeit im heutigen Jugendkeller, bevor wir den Raum, in dem auch heute noch die Kleiderkammer eingerichtet ist, bezogen. Ich muss betonen, dass ich stets Frauen zur Seite hatte, die mir halfen. Allein hätte ich es neben meinem Beruf nicht schaffen können.

Eine besondere Aufgabe für die Kleiderkammer war das Einkleiden der Kinder aus der Region Gomel in Weißrussland, die durch den Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl besonders betroffen war. Jeden Sommer kamen 80 – 100 Kinder vier Wochen zur Erholung in das Osnabrücker Land, wo sie in Gastfamilien untergebracht waren. Leider konnten im Laufe der Zeit immer weniger Kinder aufgenommen werden, da nicht mehr so viele Gastfamilien zur Verfügung standen. Die Kinder kamen während ihres Aufenthaltes an zwei bis drei Tagen in das Gemeindehaus, wo das Team der Kleiderkammer die vorsortierte Kleidung für sie bereit hielt. Wir hatten die Rückmeldung, dass sie durch die Zuwendung und Luftveränderung nach ihrer Heimkehr viel weniger infektanfällig waren, weil sie hier ihr Immunsystem stärken konnten. In vergangenen Jahren haben wir zudem unzählige Pakete mit Kleidung und weiteren Hilfsmitteln für Weißrussland, die Ukraine und Polen gepackt, die direkt in dortige Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime gebracht wurden. Ich habe einige Male den Transport begleitet und konnte mich überzeugen, dass die Pakete bei den Hilfsbedürftigen direkt ankommen.“

Zum Schluss des Gesprächs sagt Hilma, dass in all den Jahren ihres Berufslebens als Gemeindeschwester und in ihrem ehrenamtlichen Engagement Verse sie begleiteten, die sie durch die Zeit trugen und die sie gerne weitergeben möchte: „Herr, gib du uns Augen, die den Nächsten sehn, Ohren, die ihn hören und ihn auch verstehn. Hände, die es lernen, wie man hilft und heilt, Füße, die nicht zögern, wenn die Hilfe eilt. Herzen, die sich freuen, wenn ein andrer lacht, einen Mund zu reden, was ihn glücklich macht. Dank für alle Gaben, hilf uns wachsam sein, zeige Herr, wir haben nichts für uns allein.“                      Angelika Bayer

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