Auf dieser Seite finden Sie die Andachten, die regelmäßig auch in „Andreas Aktuell“, dem Gemeindebrief der Andreasgemeinde, veröffentlicht werden.

Zwei Taufkerzen stehen nebeneinander auf dem Altar in der Andreaskirche. Beide sind wunderschön verziert mit den Namen der Kinder, die getauft werden und natürlich mit dem Taufdatum: 19. September 2020. Als ich näher hinschaue, stutze ich. Auf einer der beiden Kerzen steht 22. März 2020. Alles war schon geplant. Das Taufgespräch hatte stattgefunden, die Feier war organisiert, die Gäste hatten zugesagt. Nur wenige Tage vor dem Gottesdienst hieß es: Ab sofort gibt es erst einmal keine Gottesdienste mehr. Doch jetzt wird Taufe gefeiert. Alle haben sich fein gemacht, die große Schwester ist stolz auf ihren kleinen Bruder und alle strahlen. Der Segen Gottes ist mit Händen zu greifen: „Du bist Gottes Kind. Er geht mit dir in deinem Leben an jedem Tag!“

In dieser Woche sitzen 20 Jugendliche im Kirchenraum verteilt. Wir besprechen letzte Fragen zur Konfirmation, die wir an diesem Wochenende in drei Gottesdiensten feiern. Ich spüre die Aufregung und auch die Sorge: Was ist, wenn jemand von uns jetzt in Quarantäne muss? Einige Schulklassen sind bereits betroffen. Ich wünsche allen Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass ihre Konfirmation nicht noch einmal verschoben werden muss und sie in diesen Tagen aus vollem Herzen sagen: „Danke, Gott! Du hast Ja zu mir gesagt in der Taufe. Du stehst zu mir, egal was kommt. Jetzt sage ich Ja zu dir. Ich möchte mit dir gemeinsam durchs Leben gehen.“ Herzlich willkommen in unseren Gemeinden! Wir freuen uns auf euch. Gott segne und behüte euch. Sein Segen fällt niemals aus!

Der Zolleinnehmer Zachäus ist ein kleiner Mann und ein großer Gauner, ein Mensch voller Gegensätze. Reich und zugleich so einsam und arm. Klein, aber mit einer großen Sehnsucht. Verachtet, weil er mit den Römern zusammenarbeitet und den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Dabei zugleich so stark, dass es ihn nicht kümmert, was die Leute über ihn sagen, als Jesus sich bei ihm als Gast einlädt.

Lukas, der Evangelist, beschreibt anschaulich, wie Zachäus Jesus begegnet. Zachäus will unbedingt sehen, wer dieser Jesus ist. Weil die vielen Menschen ihm die Sicht versperren, klettert er kurzerhand auf einen Maulbeerfeigenbaum. Jesus geht vorüber, bleibt direkt unter dem Baum stehen und blickt nach oben – Zachäus genau in die Augen. Jesus sieht ihn an, und das verändert Zachäus. Den Leuten gefällt das nicht, Zachäus ist es egal. Er genießt es, dass einer ihn ansieht. Er genießt es, dass einer ihn ernst nimmt und nicht als erstes sagt, was er alles falsch macht. Er freut sich riesig, dass einer sogar zu ihm nach Hause kommt und Gast bei ihm sein will, obwohl er mit den römischen Besatzern, die als unrein gelten, Hand in Hand arbeitet. Angesehen! Ein Blickkontakt lässt Zachäus schwach werden. Das verwandelt ihn: „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen. Und wem ich zu viel abgenommen habe, dem werde ich es vierfach zurückzahlen.“

Über das Treffen von Zachäus mit Jesus habe ich bei meinem Einführungs-Gottesdienst am 13. September gepredigt. Ich habe mich gefragt, welche Begegnungen mich verändert haben. Und wie eine Kirche aussehen kann, die solche Begegnungen ermöglicht. Dass Menschen Jesus begegnen, können wir nicht erzwingen. Aber wir können überlegen, wie Orte aussehen können, an denen das gut gelingt. Räume, in denen Menschen davon hören, dass sie geliebt sind. In denen sie hören: „Es ist gut, dass es dich gibt!“ In der Andreasgemeinde habe ich bereits viel davon entdeckt. Ich möchte gerne mit Ihnen allen weiter daran mitarbeiten, dass unsere Gemeinde eine gute Gastgeberin bleibt, damit Menschen entdecken: Ich bin ein angesehener Mensch!

In Zukunft werden wir noch beweglicher werden müssen. Wir können nicht darauf warten, dass Menschen zu uns kommen, sondern sollten uns aufmachen, hinaus zu den Menschen. Ich bin gespannt auf Ihre Ideen und freue mich über hoffentlich viele Menschen, die mitüberlegen. Eine gute Grundlage haben wir: Jesus hat uns angesehen. Wir sind angesehene Menschen, geliebte Kinder Gottes. Gemeinsam sind wir unterwegs – den Menschen im Blick.

Ich grüße Sie herzlich, zum ersten Mal als Ihr Andreas-Pastor Martin Steinke